Der Hl. Ulrich von Augsburg


Ulrich (Uodalricus) von Augsburg

Bischof von Augsburg


* um 890 in Wittislingen bei Dillingen in Bayern
† 4. Juli 973 in Augsburg in Bayern

Auszug aus: Ökumenisches Heiligenlexikon (Stand 28.5.2011)
http://www.heiligenlexikon.de/BiographienU/Ulrich_von_Augsburg.htm


Ulrich, Sohn des alemannischen Gaugrafen Hubald von Dillingen und dessen Frau Thietburga, wurde für den geistlichen Stand bestimmt und studierte um 900 bis 908 im Kloster St. Gallen. Er wurde dann Kämmerer seines Onkels, des Bischofs Adalbero von Augsburg und verwaltete gleichzeitig die großen Familiengüter, auf die er sich nach Adalberos Tod ganz zurückzog, weil er bei der Nachfolge seines Onkels übergangen worden war. 923 wurde er, auf Empfehlung seines Verwandten, des Herzogs Burchard I. von Schwaben, von König Heinrich I. doch als Bischof von Augsburg eingesetzt - dies habe ihm bei einem Besuch in St. Gallen die dort lebende Reklusin Wiborada so auch vorhergesagt.
Ulrich verkehrte aufgrund verwandtschflicher Beziehungen am Hof von König Heinrich I. und Otto I., er beriet Fürsten, hielt Synoden ab, sorgte 926 für die Befestigung Augsburgs mit steinernen Mauern und verteidigte die Ansprüche seines Bistums.
955 befehligte Ulrich als Reichsfürst hoch zu Ross die Verteidigung von Augsburg gegen die andrängenden Ungarn; seinem inständigen Gebet, mit dem er die Kämpfenden stärkte, wurde der Sieg auf dem Lechfeld zugeschrieben. Ohne Schild und Waffen sei er, nur mit der Bibel in der Hand, den andrängenden und militärisch weit überlegenen Heiden entgegen geritten; zum Dank verlieh Otto I. ihm das Münzrecht für Augsburg. Ulrich baute dann die von den Ungarn zerstörten Klöster und Dörfer seines Gebietes wieder auf, zeitweise war er selbst auch Abt der Klöster Kempten und Ottobeuren und ließ den von den Ungarn 955 zerstörten Dom in Augsburg neu errichten. Das beim Ungarneinfall zerstörte Kanonikerstift gründete er neu und bestimmte es zu seiner Grabstätte. Außerhalb der ehemaligen Stadtmauern gründete er 968 das Kanonissenstift St. Stephan und ein Spital.
Ulrich sorgte sich um würdige und zur rechten Zeit eingehaltene kirchliche Feiern, um feierliche Liturgie, um Arme und Kranke. Alle vier Jahre rief er in den Hauptorten seiner Diözese Versammlungen ab, spendete die Firmung, visitierte die Geistlichen, sorgte für deren auskömmlichen Unterhalt mit entsprechenden Pfründen.
Ulrich lebte selbst enthaltsam wie ein Mönch und war freigiebig gegenüber den Armen. Die Fischlegende berichtet: Als er an einem Donnerstagabend mit dem Bischof Konrad von Konstanz zu Tisch saß, vertieften sich beide die Nacht über ins Gespräch, bis am Morgen des Freitag ein Bote des Herzogs, dem Ulrich Unrecht vorgehalten hatte, einen Brief brachte. Ulrich reichte als Botenlohn den beim Nachtessen nicht verzehrten Rest des Bratens, ein Gänsebein. Der Bote brachte dies dem Herzog, um den Bischof nun seinerseits des Unrechts überführen zu können, dass er am Freitag Fleisch esse; als der Herzog das Gänsebein aus der Umhüllung nahm, hatte es sich in einen Fisch verwandelt.
Ein Jahr vor seinem Tod wollte Ulrich nach 49-jähriger Amtszeit zugunsten seines Neffen Adalbero sein Amt niederlegen, aber die Synode von Ingelheim lehnte dies ab.
Als Ulrich starb, wurde er nach mehrtägiger Aufbahrung im Dom nach St. Afra überführt und dort in der vorbereiteten Grablege beigesetzt; der Überlieferung nach wurde er mit dem Teppich, auf dem er auf der Erde zu schlafen pflegte, begraben; Bischof Wolfgang leitete die Trauerfeier.
Schon etwa zehn Jahre nach Ulrichs Tod begann sein ehemaliger Dompropst Gerhard, die Lebensgeschichte abzufassen, die den Prototypen eines Reichsbischofs der Ottonen zeichnet und ein beredtes Beispiel für die Verehrung ist. Ulrichs Grab wurde schnell eine vielbesuchte und durch Wunder ausgezeichnete Wallfahrtsstätte. Noch im 10. Jahrhundert wurde er in Nekrologe und sein Fest in Kalender aufgenommen. Schon 992 wurde bei der Weihe des Domes in Halberstadt ein Seitenaltar ihm geweiht. 1036 beschloss die Synode in Trebur die Feier einer Messe in seinem Namen, 1061 ist erstmals das Patrozinium Ulrichs neben dem von Afra für Dom und Kloster in Augsburg nachgewiesen. 1187 wurden Ulrichs Gebeine in die nach einem Brand neu gebaute Klosterkirche übertragen.
Bald wurde Ulrich Patron vieler Kirchen in Süddeutschland und darüber hinaus. In Hymnen und Litaneien besungen, in überarbeiteten Lebensgeschichten gepriesen, in Sagen dargestellt und im Schultheater der Jesuiten im 17./18. Jahrhundert als Vorbild dargestellt, blieb Ulrich im Gedächtnis. Ulrichskreuze nach dem Vorbild der legendären, siegbringenden Kreuze der Schlacht auf dem Lechfeld, werden seit dem 16. Jahrhundert bis heute Wallfahrern als Schutz gegen Unheil mitgegeben. Ulrichs-Brünnlein, die der Überlieferung nach auf seine Fürbitte entsprangen, helfen bei Augenleiden. Ulrich-Minne wird als gesegneter Wein gereicht.
Nach Zweifeln an ihrer Echtheit wurden Ulrichs Gebeine 1762 erhoben, ärztlich untersucht und 1764 in einen Barockschrein umgebettet. 1962/63 wurde die Gruft neu gebaut, 1971 gab es eine erneute ärztliche Begutachtung der Gebeine.

Kanonisation:
Ulrich war der erste im offiziellen Verfahren von Rom heiliggesprochene, heilig gesprochen durch die Synode im Lateran unter Vorsitz von Papst Johannes XV. in einer förmlichen und feierlichen Kanonisation am 31. Januar 993, also nur zwanzig Jahre nach seinem Tod. Die Urkunde der Kanonisation gibt es in Stadlers Vollständigem Heiligenlexikon.

Attribute: Evangelienbuch, Fisch

Patron von Augsburg und St. Ulrich im Grödnertal, heute Ortisei; der Winzer und Fischer; auf der Reise; gegen Augenleiden und Wassergefahren; für gutes Wetter; des Bistums Augsburg

Bauernregeln: Regen am St.-Ulrichstag, macht die Birnen stichig-mad.
Wenn's am Ulrichstag donnert, fallen die Nüsse vom Baum.