Pfr. Joh. Georg
Giselbrecht
Ulrichsbrunnen um 1973
Fenster mit Butzenscheiben
von Glasermeister J. G. Boch
Altaraufnahme um 1896
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Beschreibung durch den Hochw. Hr. Pfr.
Joh. Georg Giselbrecht (1840-1906)
In der Pfarrei Möggers befindet sich
auch eine Filiale – eine Kapelle (consekriert) 10 Minuten von der Pfarrkirche
gegen Osten entfernt, im Walde, hart an der österreichisch – bayerischen
Grenze. Sie heißt die St. Ulrichs Kapelle, „Capella ad fontem S.
Udalrici“ – vom Volke gewöhnlich „St. Ulrichs Brunnen „ genannt. Dieselbe
ist von gothischer Bauart, 48 Schuh lang und 20 Schuh breit. Auf der Höhe
des Fronbogens las man früher: „Erbaut 1005“ – (Jetzt, nach der neuesten
Dekorierung desselben und der ganzen Kapelle, im Sommer 1897, durch den
Maler Dietrich in Bregenz, ist diese Jahrzahl, die aus dem Jahre 1843 stammt,
ober dem Opferstock in dieser Kapelle angebracht worden). Wer aber der
Erbauer oder Stifter dieses Heiligthums war, lässt sich nicht mehr
ermitteln. Im Volksmunde heißt es, der hl. Bischof Ulrich habe einstens
auf einer Durchreise bei dieser Quelle gerastet und sich mit dem köstlichen
Wasser, welches sie bietet, gelabt. Eine andere Sage lässt diese Quelle
durch einen von ihm gespendeten Segensspruch entsprungen sein. Zur Erinnerung
daran sei dann zu Ehren des hl. Ulrich über dieser Quelle (das Altärchen
steht gerade über ihr) diese Kapelle erbaut worden. Die Möglichkeit
dieser Annahme lässt sich nicht wohl bestreiten, denn es ist Thatsache,
dass der hl. Ulrich mit den Grafen von Bregenz und insbesondere mit dem
hl.Gebhard innig befreundet und vertraut war, und daher mag er wohl, auf
der Reise von Augsburg über den Pfänder nach dem Schloße
Hohenbregenz, jetzt Gebhardsberg genannt, oder zurück an diesen Ort
gekommen sein. Solcher St. Ulrichs Brunnen gibt es übrigens bekanntlich
mehrere, so dass ein Biograph dieses Heiligen schreibt, dass man an der
Reihe dieser Brunnen die Wege verfolgen könne, die derselbe gemacht
habe. Der St. Ulrichs Brunnen mit seiner Kapelle bei Möggers war in
früheren Zeiten ein beliebter Wallfahrtsort. Noch Anfangs des 18 Jahrhunderts
pilgerten am St. Ulrichsfeste mehrere auswärtige Gemeinden mit dem
Kreuze zu dieser Kapelle, und es wurde deshalb in jener Zeit an diesem
Tage der Hauptgottesdienst in dieser Kapelle gefeiert. Nachdem aber die
hiesige Pfarrkirche in größerem Maßstabe neu gebaut worden
war, ward der Hauptgottesdienst am St. Ulrichsfeste auch dorthin verlegt,
und es ging von Möggers aus die Gemeinde prozessionsweise schon um
4 Uhr früh in diese Kapelle, wo dann der Pfarrer den Frühgottesdienst
hielt.
In jetziger Zeit wird diese Prozession
in der Regel innerhalb der Oktav des St. Ulrichsfestes abgehalten, wobei
zum Zwecke der Erhaltung dieser Kapelle gesammelt wird. Heutzutage kommen
zwar keine förmlichen Kreuzgänge mehr hieher, doch es fehlt dieser
ehrwürdigen Stätte nie an andächtigen Besuchern. Großes
Vertrauen hat das gläubige Volk vornehmlich bei Augenleiden zu dem
Wasser dieser Kapelle, welches in dieser Meinung oft nach entfernten Orten
abgeholt wird. Seit dem Jahre 1890 wurde diese Kapelle einer höchst
nothwendigen Restauration unterzogen.
Es ward ein neuer Fußboden aus Cementplatten
gelegt, unter dem Fronbogen ein schönes Gitter aus Eisen (vom Schlossermeister
Karl Klöppl in Bregenz und Zeichnung von Pater Lorenz Wocher Mehrerau)
aufgestellt und im Schiffe an den Fenstern neues gothisches Maßwerk
(vom Steinhauer Mayer in Bregenz) angebracht.
Auch wurden in allen Fenstern passende
Butzenscheiben (vom Glasermeister Johann Georg Boch aus Riefensberg) eingesetzt.
Die Decke erhielt ein zierliches Kassettengetäfel (von Josef Sprattler,
Tischlermeister in Bregenz), im Presbyterium mit dem Symbol der heiligsten
Dreifaltigkeit, und im Langhause mit dem Reliefbilde Jesu, des göttlichen
Lehrmeisters. Das gothische Altärchen aus Holz wurde von dem schon
öfter genannten Bildhauer Fidel Rudhart in Altenstadt verfertigt.
Im Hochbau desselben sind 3 Statuen –
in der Mitte der hl. Ulrich, rechts von ihm die hl. Ottilia, links die
hl. Barbara. Dieses Altärchen hat 1500 öst. Kronen gekostet.
Rechts und links vom neudekorierten Chorbogen,
gegen das Volk hingewendet, kommen zu stehen die schmerzhafte Mutter und
der hl. Joseph, auf gothischen Postamenten unter ebensolchen Baldachinen.
An den Seitenwänden der hl. Antonius
Abt und der hl. Wendelin mit gothischem Sockel und Baldachin (vom Bildhauer
August Valentin) in Brixen.
Endlich wurde die St. Ulrichsquelle neu
gefasst und mit einer Brunnensäule aus Granit, auf welcher ein Kreuz
aus schwarzem Marmor sich erhebt, und mit einem Wasserbecken aus gleichem
Material geschmückt (vom Steinhauer Wiedemann in Bregenz).
Diese Kapelle besitzt unter anderem ein
altes vergoldetes Kruzifix aus Kupfer nach streng byzantinischem Original
gearbeitet, und stammt nach dem Urtheile von Alterthumskennern vermuthlich
aus dem 12. Jahrhundert. Es hat viele Wahrscheinlichkeit für sich,
dass dasselbe von den Edlen von Altenhausen aus dem Orient (auf einer Pilgerfahrt)
nach Deutschland zurückgebracht worden sei. Um diß werthvolle
Alterthum vor diebischen Händen sicherzustellen, wird dasselbe jetzt
im Pfarrhofe aufbewahrt.
Eignes Vermögen hat diese Kapelle
nicht, deßhalb wird sie von der Pfarrkirche in baulichen Ehren gehalten.
Eine Verpflichtung für den Pfarrer zu Gottesdiensten in derselben,
oder stiftungsmäßig die hl. Messe darin zu applizieren, besteht
nicht. Auf Verlangen jedoch werden bisweilen dort hl. Messen gelesen.
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