Bericht des Bundesdenkmalamtes 2010


Bericht des Bundesdenkmalamtes

Bundesdenkmalamt Bregenz, Amtsplatz 1 (2010)

Die Ulrichskapelle in Möggers gehört - glaubt man dem Baudatum „1005" an der Fassade - zu den ältesten sakralen Bauwerken Vorarlbergs. Sie genießt seit jeher hohe Verehrung bei der Bevölkerung. Der Sage nach soll der Hl. Ulrich auf der Durchreise bei dieser Quelle gerastet und von dem Wasser getrunken haben. Zur Erinnerung daran sei dann zu Ehren des Hl. Ulrich über der Quelle (der Altar steht genau über ihr) die Kapelle erbaut worden. Großes Vertrauen hat die Bevölkerung zu dieser Quelle vor allem bei Augenleiden, dadurch wurden Quelle und Kapelle zu einem beliebten Wallfahrtsort, wovon auch noch die Rötel-Pilgerinschriften, die von Restauratoren entdeckt wurden, zeugen.
Es handelt sich um einen Rechteckbau mit 3/8 Chor, Satteldach und Dachreiter. Der Gesamteindruck des Innenraumes mit den Spitzbogenfenstern mit neugotischem Maßwerk geht auf eine durchgreifende Restaurierung in den Jahren 1890/91 zurück. Für diese Neugestaltung hat man die damals in Vorarlberg bekanntesten Künstler herangezogen. Der neugotische Altar wurde von Bildhauer Fidel Rudhart (geb. in Leutkirch 1842, gest. 1919 in Feldkirch/Altenstadt), der in Altenstadt lebte, geschaffen. Von ihm stammen Altäre in der Marienkapelle im Dom zu Feldkirch, in der Fideliskapelle der Kapuzinerkirche Feldkirch, der Hochaltar in der Pfarrkirche Frastanz, der Hochaltar in der Pfarrkirche Nenzing etc. Im Aufbau befinden sich drei Statuen, der Hl. Ulrich, rechts die Hl. Otilia und links die Hl. Barbara. Rechts und links des Chorbogens stehen auf Postamenten unter Baldachinen die Schmerzhafte Mutter Gottes und der Hl. Josef. Die Figuren Hl. Antonius Abt und Hl. Wendelin an den Seitenwänden stammen vom ebenfalls bekannten Bildhauer August Valentin aus Brixen (3 Altäre Pfarrkirche Egg, Seitenaltäre Kuratienkirche Götzis/Meschach, Seitenaltar Pfarrkirche Höchst etc.) Das Chorbogengitter wurde entworfen von Pater Laurenz Wocher, Abt des Klosters Mehrerau. Die Flachdecke erhielt eine Kassettentäfelung von Josef Spattier, einem Tischlermeister in Bregenz, im Presbyterium mit dem Symbol der Heiligsten Dreifaltigkeit, im Langhaus mit dem Reliefbild Jesu und den vier Evangelistensymbolen. In der Zeit der Innenrenovierung wurde auch die Ulrichsquelle neu gefasst und außerhalb der Kapelle eine Brunnensäule aufgestellt.
Die Kapelle besitzt ein wertvolles Vortragekreuz aus vergoldetem Kupfer, das nach einem romanischen Original des 12. Jahrhunderts hergestellt wurde und sich nun in der Sammlung des Vorarlberger Landesmuseums befindet.
Auf einem alten Foto erkennt man, dass der Chor ursprünglich ornamental ausgemalt war. In den Jahre 1997 und 1998 wurde der Innenraum von den Restauratoren Bizzarri und Pescoller untersucht. Die romanische Oberfläche zeigte Kritzeleien (vermutlich Pilgerinschriften), aber keine Indizien auf Malereien. In späteren Schichten wurden Anhaltspunkte auf eine Malerei hinter dem Altar sowie mögliche Rahmenmalereien der Fenster gefunden.
Die geschichtliche, künstlerische und kulturelle Bedeutung dieser Kapelle ist zu sehen in ihrem seltenen hohen Baualter, der großen Verehrung in der Bevölkerung als Wallfahrtsort und in der qualitätvollen gesamthaften neugotischen Ausstattung.