Beschreibung durch Pfarrer Giselbrecht (1840-1906)


Beschreibung durch Hochw. Hr. Pfr.Joh. Georg Giselbrecht (1840-1906)


In der Pfarrei Möggers befindet sich auch eine Filiale – eine Kapelle (consekriert) 10 Minuten von der Pfarrkirche gegen Osten entfernt, im Walde, hart an der österreichisch – bayerischen Grenze. Sie heißt die St. Ulrichs Kapelle, „Capella ad fontem S. Udalrici“ – vom Volke gewöhnlich „St. Ulrichs Brunnen „ genannt. Dieselbe ist von gothischer Bauart, 48 Schuh lang und 20 Schuh breit. Auf der Höhe des Fronbogens las man früher: „Erbaut 1005“ – (Jetzt, nach der neuesten Dekorierung desselben und der ganzen Kapelle, im Sommer 1897, durch den Maler Dietrich in Bregenz, ist diese Jahrzahl, die aus dem Jahre 1843 stammt, ober dem Opferstock in dieser Kapelle angebracht worden). Wer aber der Erbauer oder Stifter dieses Heiligthums war, lässt sich nicht mehr ermitteln. Im Volksmunde heißt es, der hl. Bischof Ulrich habe einstens auf einer Durchreise bei dieser Quelle gerastet und sich mit dem köstlichen Wasser, welches sie bietet, gelabt. Eine andere Sage lässt diese Quelle durch einen von ihm gespendeten Segensspruch entsprungen sein. Zur Erinnerung daran sei dann zu Ehren des hl. Ulrich über dieser Quelle (das Altärchen steht gerade über ihr) diese Kapelle erbaut worden. Die Möglichkeit dieser Annahme lässt sich nicht wohl bestreiten, denn es ist Thatsache, dass der hl. Ulrich mit den Grafen von Bregenz und insbesondere mit dem hl.Gebhard innig befreundet und vertraut war, und daher mag er wohl, auf der Reise von Augsburg über den Pfänder nach dem Schloße Hohenbregenz, jetzt Gebhardsberg genannt, oder zurück an diesen Ort gekommen sein. Solcher St. Ulrichs Brunnen gibt es übrigens bekanntlich mehrere, so dass ein Biograph dieses Heiligen schreibt, dass man an der Reihe dieser Brunnen die Wege verfolgen könne, die derselbe gemacht habe. Der St. Ulrichs Brunnen mit seiner Kapelle bei Möggers war in früheren Zeiten ein beliebter Wallfahrtsort. Noch Anfangs des 18 Jahrhunderts pilgerten am St. Ulrichsfeste mehrere auswärtige Gemeinden mit dem Kreuze zu dieser Kapelle, und es wurde deshalb in jener Zeit an diesem Tage der Hauptgottesdienst in dieser Kapelle gefeiert. Nachdem aber die hiesige Pfarrkirche in größerem Maßstabe neu gebaut worden war, ward der Hauptgottesdienst am St. Ulrichsfeste auch dorthin verlegt, und es ging von Möggers aus die Gemeinde prozessionsweise schon um 4 Uhr früh in diese Kapelle, wo dann der Pfarrer den Frühgottesdienst hielt.

Fenster mit Butzenscheiben von Glasermeister J. G.

In jetziger Zeit wird diese Prozession in der Regel innerhalb der Oktav des St. Ulrichsfestes abgehalten, wobei zum Zwecke der Erhaltung dieser Kapelle gesammelt wird. Heutzutage kommen zwar keine förmlichen Kreuzgänge mehr hieher, doch es fehlt dieser ehrwürdigen Stätte nie an andächtigen Besuchern. Großes Vertrauen hat das gläubige Volk vornehmlich bei Augenleiden zu dem Wasser dieser Kapelle, welches in dieser Meinung oft nach entfernten Orten abgeholt wird. Seit dem Jahre 1890 wurde diese Kapelle einer höchst nothwendigen Restauration unterzogen.
Es ward ein neuer Fußboden aus Cementplatten gelegt, unter dem Fronbogen ein schönes Gitter aus Eisen (vom Schlossermeister Karl Klöppl in Bregenz und Zeichnung von Pater Lorenz Wocher Mehrerau) aufgestellt und im Schiffe an den Fenstern neues gothisches Maßwerk (vom Steinhauer Mayer in Bregenz) angebracht.
Auch wurden in allen Fenstern passende Butzenscheiben (vom Glasermeister Johann Georg Boch aus Riefensberg) eingesetzt. Die Decke erhielt ein zierliches Kassettengetäfel (von Josef Sprattler, Tischlermeister in Bregenz), im Presbyterium mit dem Symbol der heiligsten Dreifaltigkeit, und im Langhause mit dem Reliefbilde Jesu, des göttlichen Lehrmeisters. Das gothische Altärchen aus Holz wurde von dem schon öfter genannten Bildhauer Fidel Rudhart in Altenstadt verfertigt.
Im Hochbau desselben sind 3 Statuen – in der Mitte der hl. Ulrich, rechts von ihm die hl. Ottilia, links die hl. Barbara. Dieses Altärchen hat 1500 öst. Kronen gekostet.
Rechts und links vom neudekorierten Chorbogen, gegen das Volk hingewendet, kommen zu stehen die schmerzhafte Mutter und der hl. Joseph, auf gothischen Postamenten unter ebensolchen Baldachinen.
An den Seitenwänden der hl. Antonius Abt und der hl. Wendelin mit gothischem Sockel und Baldachin (vom Bildhauer August Valentin) in Brixen.

 

Altaraufnahme um 1896

Endlich wurde die St. Ulrichsquelle neu gefasst und mit einer Brunnensäule aus Granit, auf welcher ein Kreuz aus schwarzem Marmor sich erhebt, und mit einem Wasserbecken aus gleichem Material geschmückt (vom Steinhauer Wiedemann in Bregenz).
Diese Kapelle besitzt unter anderem ein altes vergoldetes Kruzifix aus Kupfer nach streng byzantinischem Original gearbeitet, und stammt nach dem Urtheile von Alterthumskennern vermuthlich aus dem 12. Jahrhundert. Es hat viele Wahrscheinlichkeit für sich, dass dasselbe von den Edlen von Altenhausen aus dem Orient (auf einer Pilgerfahrt) nach Deutschland zurückgebracht worden sei. Um diß werthvolle Alterthum vor diebischen Händen sicherzustellen, wird dasselbe jetzt im Pfarrhofe aufbewahrt.
Eignes Vermögen hat diese Kapelle nicht, deßhalb wird sie von der Pfarrkirche in baulichen Ehren gehalten. Eine Verpflichtung für den Pfarrer zu Gottesdiensten in derselben, oder stiftungsmäßig die hl. Messe darin zu applizieren, besteht nicht. Auf Verlangen jedoch werden bisweilen dort hl. Messen gelesen.