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Die Ulrichsquelle – ein biblisches und menschliches
Bild für unseren Durst nach Leben
Pfr. Gerhard Mähr |
1. Die Ulrichsquelle – Bild für Gott,
der unseren Lebensdurst stillt
Der Prophet Ezechiel lebte im sechsten Jahrhundert
vor Christus in der Verbannung in Babylonien. Er war ein Visionär
und wusste sich von Gottes Hand ergriffen und nach Jerusalem entrückt.
In der großen Vision vom neuen Israel in den Kapiteln 40 bis 48 spricht
er vom Tempel und der Tempelquelle. Dort heißt es:
„Dann führte mich Gott zum Eingang
des Tempels zurück, und ich sah, wie unter der Tempelschwelle Wasser
hervorströmte und nach Osten floss; ...
Dann führte er mich durch das Nordtor
hinaus ... Und ich sah das Wasser an der Südseite hervorrieseln..."
(Ezechiel 47, 1 – 2)
Dieses Bild der Quelle, die unter der
Tempelschwelle hervorströmt, kommt mir im Blick auf die Ulrichsquelle
in den Sinn. Vor tausend Jahren wurde über dieser Quelle die Ulrichskapelle
errichtet, höchstwahrscheinlich, um sie zu schützen. Direkt über
der Quelle steht der Altar.
So sagt uns das Bild der Quelle, die unter
dem Altar entspringt, dass wir all unseren Lebensdurst bei Gott stillen
dürfen. Im Psalm 36 beten wir im Vers 10: „Bei dir ist die Quelle
des Lebens“ und Psalm 87,7 singt: „Alle meine Quellen entspringen in dir“.
Als Christen verbinden wir mit dem Bild
des Altares Jesus Christus, unseren gekreuzigten und auferstandenen Herrn.
Er stellte sich am Vorabend des Festes im Tempel von Jerusalem hin und
rief: „Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt.“
(Johannes 7,37f) Somit ist für uns Christen Jesus Christus jene unerschöpfliche
Quelle, die der Prophet Ezechiel unter dem Tempel hervorströmen sah.
Daneben erinnert uns die Verbindung des
Bildes von Quelle und Altar in Bezug auf Jesus Christus an die Eucharistie,
die uns vom Altar her geschenkt wird. „Nehmet und esset alle davon: Das
ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Nehmet und trinket alle
daraus: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für
euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut
dies zu meinem Gedächtnis.“
2. Die Ulrichsquelle als Heilquelle
In allen Berichten über die Ulrichsquelle
wird dem Wasser dieser Quelle eine heilende Wirkung bei Augenleiden zugeschrieben.
Der Japaner Masaru Emoto beschreibt in
seinem Buch „Die Heilkraft des Wassers“ neben den Heilquellen Maria Waldrast
und Heiligwasser in Tirol auch die Ulrichsquelle in Möggers und die
Ilga Quelle in Schwarzenberg. Dabei fotografiert er bei einer Temperatur
von minus 25 Grad Celsius das zu Eis gewordenen Wasserkristall und vergleicht
auf diese Weise die Qualität der verschiedenen Wasser miteinander.
Über das Bild des Wasserkristalls der Ulrichsquelle schreibt er: „Bei
dem Kristallbild zeigen sich klare Strukturen, fast so, als würde
sich das Wesen des Hl. Ulrich hier widerspiegeln.“ (S 39)
Das Kristallbild des Wassers der Ilga
Quelle hingegen deutet er folgendermaßen: „So ganz anders wirkt dieses
Bild, als das der Ulrichsquelle. Es vermittelt eine eher weibliche Energie
und hat etwas Heiteres, Leichtes an sich.“ (S 39)
Somit trägt laut Masaru Emoto Wasser
eine Information in sich. Bei der Ulrichsquelle und bei der Ilga
Quelle spiegeln die Kristallbilder des Wassers seiner Meinung nach jeweils
das Wesen dieser beiden Heiligen wider. Ein interessanter Gedanke! (Buch
„Die Heilkraft des Wassers M. Emoto, J. Fliege KOHA – Verlag, 2004)
3. „Gelobt seist Du, mein Herr, durch Schwester
Quelle!“ – Das Bild der Quelle im Sonnengesang des Hl. Franziskus
Vom Hl. Franziskus stammt der wunderbare Lobpreis
auf die Schöpfung Gottes, der bekannte Sonnengesang. Darin bezieht
er alle von Gott erschaffenen Elemente dieser Erde wie die Sonne, den Mond
und die Sterne, Wind, Luft und Wolken, die Quelle, das Feuer und die Erde
in seinen Lobpreis an Gott, den Schöpfer ein. Der Mensch allein kann
in Gott seinen Schöpfer und Herrn erkennen und ihm für die Elemente
der Schöpfung seinen Dank aussprechen. Darum beginnt der Sonnengesang
mit dem Lobpreis auf Gott:
„Höchster, allmächtiger, guter
Herr,
Dein ist das Lob,
der Ruhm und die Ehre
und jeglicher Dank!
Dir allein, Höchster,
gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig,
Dich zu nennen.“
Danach lobt er Gott in der vierten Strophe
des Sonnengesanges auch durch „Schwester Quelle“:
„Gelobt seist Du, mein Herr,
durch Schwester Quelle.
Wie nützlich ist sie,
wie demütig, köstlich und rein!“
Dieser Gesang stammt nicht aus einem schwärmerischen
Naturerlebnis des jungen Franz. Bereits schwer erkrankt und fast erblindet
preist Franz den Schöpfer allen Lebens. Sein Jubel ist die innere
Gewissheit auf die Erlösung in einer der finstersten Nächte,
die ein Mensch durchleben kann. Dieser Gesang ist eine Form der Bewältigung
von Krankheit und Leid. Im Lobpreis kämpft Franz gegen seine Situation
und überwindet seine Schmerzen, indem er sie in den größeren
Zusammenhang der Schöpfung Gottes stellt.
Somit führt uns der Hl. Franziskus
mit seinem Sonnengesang wieder auf Gott als den Urquell allen Lebens zurück.
4. Das Lied: „Alle meine Quellen entspringen
in Dir, mein guter Gott.“
Ich schließe diese Gedanken mit einem
Lied von Sr. Leonore Heinzl ab, das sie ausgehend vom Psalmvers 87,7 gedichtet
und vertont hat:
„Alle meine Quellen entspringen in Dir,
in Dir, mein guter Gott.
Du bist das Wasser, das mich tränkt
und meine Sehnsucht stillt.
1. Du bist die Kraft, die Leben schenkt,
eine Quelle, welche nie versiegt.
Ströme von lebendigem Wasser brechen
hervor.
2. Du bist der Geist, der in uns lebt,
der uns reinigt, der uns heilt und hilft.
Ströme von lebendigem Wasser brechen
hervot.
3. Du bist das Wort, das mit uns geht,
das uns trägt und uns die Richtung weist.
Ströme von lebendigem Wasser ...
4. Du bist der Glaube, der uns prägt,
der uns stark macht, offen und bereit.
Ströme ...
5. Du bist die Liebe, die befreit, die
vergibt, wenn uns das Herz anklagt.
Ströme ...
6. Du bist das Licht in Dunkelheit, Du
erleuchtest unsern Lebensweg.
Ströme ...
7. Du bist das Lamm, das sich erbarmt,
das uns rettet, uns erlöst und liebt.
Ströme ...
(aus: Liederbuch „Singe Jerusalem, 10.
veränderte Auflage, S 4)